Dient eine Cup - R-RSR Radhausentlüftung zur Erzielung von mehr Downforce ?

  • Sehr geehrte Damen und Herren,


    ich habe einen 991 Carrera 4 an dem ich zusammen mit einer Fachwerkstatt einen Retro-Umbau auf 993 RS-Design durchführe.


    Im Rahmen des Projektes wird am Heck ein 930 Turboflügelgrundkörper verbaut und die 993 RS Heckflügelkontur nachgebildet.


    Durch diesen Umbau entsteht am Heck ein höherer Abtrieb. Um das aerodynamische Gleichgewicht zu erzeugen, bin ich auf der Suche nach Maßnahmen am Vorderwagen Downforce zu erzeugen. Neben der Maßnahme einen neuen Frontspoiler zu verbauen, interessiere ich mich für die auf Ihrer Hompage dargestellte Radhausentlüftung des 991-Cup-R gemäß den nachfolgenden Bildern:


    Werden noch weitere Bauteile benötigt? Können Sie mir bitte dazu einen technischen Hinweis geben: Was erwarten Sie, in welchem Maße wird diese einfache Variante der Radhausentlüftung Downforce-Vorteile bringen?


    In den GT2/3 RS Straßen-Varianten wird ja erfolgreich ein etwas komplizierteres Radhausentlüftungssystem zur Downforce-Erzeugung eingesetzt. Für meinen Individualumbau erscheint mir die Kombination eines einfachen Radhausentlüftungssytem zusammen mit einem neuen Frontspoiler (z. B. Techart), sowie zusätzlich an der Frontschürze seitlich angebrachte Side-Flaps (Frontsplitter Flics), wie in Ihrem nachfolgend Bild gezeigt, als zielführend.


    Ist es vorstellbar, die von Ihnen für den 997 GT3 RS 4.0 aufgeführten Side-Flaps auch an einen 991 Frontschürtze anzupassen und zu montieren? Wie werden diese Side-Flaps an der Frontschürze montiert?


    Wenn Sie eine zivile Varinate für den 991 haben, würde ich diese bevorzugen.


    Können Sie mir bitte eine Rückmeldung zu meinen technischen Fragen geben und mir bitte ein Angebot zu den von mir angesprochen Bauteilen inklusive Montage-Set übermitteln?


    Im Rahmen meines Projektes ist mit dem TÜV eine Einzelabnehme vereinbar, die auf einer fachkompetenten Fahrdynamik-/ Fahrstabilitätsberwertung aufbaut.


    Für Ihre Rückmeldung bedanke ich mich im Voraus!


    Mit freundlichen Grüßen,

    Uwe Mxxxx

  • Sehr geehrter Herr Mxxx,


    grundsätzlich müssen wir uns zu Ihrem Thema die folgende Frage stellen:
    " Was will ich nach dem Umbau erreichen und was soll der Wagen später besser können, was er nach dem avisierten Umbau noch nicht kann" ?


    Aerodynamik 993:

    Der Porsche 993, speziell in den Rennsport- und in den Sportversionen als GT1, GT2 und als 993 Cup, hat seitens der Porsche Rennsportabteilung umfangreiche aerodynamische Hilfsmittel bekommen, die bei diesen Fahrzeugen den Beweis der Tauglichkeit bereits nachgewiesen haben. Speziell für den Hochgeschwindigkeits-Racer, dem 993 GT1, gibt es ein umfangreiches Aerodynamik Paket, allerdings nur für den Rennsporteinsatz.


    Der 993 RS Clubsport und der 993 GT2 sind von Haus aus mit Bauteilen aufgarniert, für die es seitens des Herstellers eine Baugenehmigung / TÜV / Homologationen und Prüfungen im Rahmen der Fahrzeug Ganzabnahme gegeben hat. Nachrüstbar sind diese Artikel ebenfalls als Aerodynamikteile, die auch, wenn Sie denn original Porscheteile sind, nachgerüstet und vom TÜV eingetragen werden können. Das kommt dann bei Ihrem Wagen jedoch nicht zum Tragen, weil Sie Änderungen vornehmen müssen, um di eTeile passend zu bekommen.


    In wieweit die Brauchbarkeit dieser Bauteile für Ihren 991 Umbau-Wagen gegeben ist, kann ich ohne Bildmaterial und ohne einen vorab gemessenen Windkanaltest nicht nachvollziehen. Auch erschließt sich mir Ihr Gedanke noch nicht, woraus Sie denn erkennen, dass ein Missverhältnis aufgrund Ihrer Umbaumaßnahmen vom Vorderwagen Downforce zu dem des Hinterwagen existieren wird?


    Albert Motorsport Radhausentlüftungen:

    Die Radhausentlüftungen die wir für den Porsche Rennwagensektor im Programm haben, dienen unterstützend dazu, die durch die Bremsenbelüftung und Kühlerbelüftung zugeführte Luft, die den Vorderwagen leicht anhebt, rascher abzuführen.


    Noch besser funktionieren oben auf den vorderen Kotflügeln angebrachte Venturi Rippen, die durch die vorbeistreichende Luft einen Vakuum Effekt erzielen und dadurch einen leichten Unterdruck in den Radhäusern verursachen und damit den Vorderwagen leicht ansaugen. Diese Lüftungsrippen finden Sie speziell bei den neueren Porsche Rennwagen von Haus aus eingebaut.


    Grundsätzlich:
    Die beste Lösung ist immer die erprobte, idealer Weise die durch einen Windkanaltest getestete Version.


    Nach meinem Gefühl bauen Sie den Wagen aber nicht komplett um, um davon einen technischen Vorteil zu erhalten, sondern um eine individuelle Retro-Variate einer alten Optik mit neuer Technik zu kombinieren. Sozusagen einen Wolf im Schafspelz zu bauen, der neben der alten Optik die Vorteile der neueren Technik in sich vereinigt.


    Für einen solchen Umbau und die daraus folgenden Maßnahmen, sollten Sie zuerst Ihren avisierten TÜV Prüfer fragen, derart, dass Sie sich ( möglichst schriftlich ) darstellen lassen, was Sie umbauen können und ober bereit ist, Ihnen eine spätere Abnahme oder Genehmigung zu erteilen und was dazu im Anschluss dann an Nachweisen für eine TÜV Zulassung von Ihnen beizubringen ist.


    Resume´:
    Alle von uns angebotenen Artikel aus dem Rennsportsektor sind ohne Zulassung im Rahmen der STVZO und ausnahmslos für den Rennsport zu gebrauchen. Sicher können Sie die Teile für Ihren Umbau passend gestalten und auch anbauen. Nur inwiefern die Zulassung erfolgen kann, kann ich Ihnen nicht sagen sondern das ist ausnahmslos vom Goodwill des TÜV Prüfers abhängig und von den Zulassungsvorschriften.


    Auch ob Sie einen technischen Downforce - Vorteil oder Nachteil haben, wir Ihnen ungeprüft, kein Mensch solide beantworten können.


    Montage der Seiten-Flaps und Anbausätze:

    Die Seiten Flaps werden mit einfachen Schrauben befestigt, Anbausätze haben wir für die Luftkästen nicht. Diese werden meist von Fachleuten mit dem entsprechenden Grundwissen und Materialien im Haus ( Schrauben alternativ Kleber ) verbaut.


    Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.


    Viele Grüße

    Jürgen Albert

    Kfz.-Meister

  • Hallo Herr Albert,

    zunächste möchte ich mich für die Uhrzeit mäßige e-Mail und die erlichen Worte bedanken! Ich bin immer ein "Fan" von klaren Worten und dazu zählt auch, dass man sagt, wenn es keinen Sinn macht. Nun zum Sachverhalt:



    Was möchte ich mit meinem Umbau bezwecken:


    Mein 991 C4 (MK1) hat bereits 2016 die erste Phase meines Retro-Umbaus auf 993 Design (I) erhalten. Dieser wurde in Zusammenarbeit mit Techart und auch Lumma-Design umgesetzt und es wurden alle Veränderungen eingetragen.

    Da diese Stufe der Startpunkt meines aktuellen Umbau (Retro-Umbau 993 RS Design (Phase II)) war, hänge ich Ihnen 3 Bilder dazu an. Im Rahmen der "Phase I" wurde zusammen mit Techart eine Retro-Felgen Design vom 997 montiert.

    Dies bedingte, dass ich den Radaufstandpunkt mit Spurdistanzscheiben anpassen musste im Rahmen des zulassungspflichtigen Spielraum, was in Kombination mit Michelin-Reifen (VA Porsche-Kodierung, HA Ferrari-Kodierung) erfolgte.


    Diesen mit dem ersten Umbau verbundenen Eingriff in die Fahrdynamik, hatte ich mir ermittelt im Vergleich mit den Serien/ GT3 -Radaufstandspunkten und der Subjektiven-Bewertung diverser Fahrversuche meinerseits. Im Rahmen dessen,

    habe ich auch direkt die weichere Seitenflanke des Hinterreifen herausgefahren. Eine Druckerhöhung gegenüber der Porsche-Empfehlung um 0,1bar an der HA, war dann die Empfehlung von Techart. Mein Carrera 4 hatte die Fahrwerks-/

    Spoiler- Kombination (Sport PASM (-20mm), mit zugehöriger Frontlippe und höher ausfahrbarem Serienheckspoiler (Porsche original)). An der Front habe ich als Update in der "Phase I", dann die Facelift-Frontlippe des 991 MK2 montiert.


    Das Fahrdynamik-Ergebnis war wie folgt: Das Einlenkverhalten ist sehr agil und die HA sitzt etwas locker, was ein sehr schönes Fahrverhalten in allen Situation ergibt. Auch ein Stint auf der Nordschleife war klasse. Alles eingetragen!


    Mittlerweile habe ich auch bei den angesprochenen Retro-Felgen VA 8,5 X 20 ET42* mit 245/ 35 ZR20 und HA 11 x 20 ET40* mit 305/ 30 ZR20 (* Werte sind inkl. der erf. 991 Anpassung) auf rundum Michelin Pilot Sport Cup 2 umgestellt.

    Falls der neue Heckspoiler etwas mehr Anpressdruck auf die HA erzeugt, ist das sicher als nochmals etwas Positives zu bewerten. Es sollte jedoch der aerodynamische Einfluß nicht zu groß sein, für das Verhältnis zur Balance vorne/ hinten.


    Ziel der "Phase II" meines "Retro-Umbau 993 RS Design" ist nun das 993 RS-Design aufzugreifen, möglichst viel Porsche-Originalteile zu verwenden und die tolle Fahrdynamik aus "Phase I" nicht zu verschlechtern, sonder posiv zu beeinflussen!


    Nun ist wohl der Punkt gekommen, kurz etwas zu mir zu erzählen:

    Ich bin studierter Maschinenbau/ Kraftfahrzeutechnik Dipl. Ing. und arbeite seit 24 Jahren bei Continental in der Entwicklung von ESP-Systemen & Fahrerassistenz-Systemen. Leider nur 8 Jahre aktiver Fahrversuch, sonst dann Management.

    Ich liebe das 993 Design, besonders RS und liebe die Fahrdynamik meines 991! Einen 993 RS zu kaufen, kommt neben diesen Gründen und Finanzen nicht in Betracht. Der Umbau zur "Phase I" startete erst als die Garantie angelaufen war.



    Nun zum 991.1 Carrera 4, Retro-Umbau (Phase II) auf 993 RS Design:

    Im Rahmen des Projektes wird am Heck wie bereits erwähnt ein 930 Turboflügelgrundkörper angebaut und die 993 RS Heckflügelkontur nachgebildet. Vor dem Umbau habe ich mit der durchführenden Firma der handwerklichen Arbeit,

    alles im Detail durchgesprochen und diese sind dann vor dem Start in meinem Namen auf den TÜV-Ingenieur, der die Einzelabnahme machen wird, zugegangen. Die Idee war die Flügelkkontur nicht größer als das serienmäßiges Flügelbrett

    werden zu lassen und dabei die Projektionsflächenvorgaben (hierzu habe ich genaue/ detailierte Vorgaben vom TÜV bekommen) am Fzg. einzuhalten. Zusätzlich ist die Absprache verknüpft an eine positive Fahrversuchsbewertung bis Vmax.


    Der aktuelle Stand des Umbaues zeigt jedoch, dass aus Design-Gründen die Flügelkontur größer geworden ist und somit sich für mich automatisch die Erfordernis ergibt, zusätzliche Downforce-Maßnahmen an der Vorderachse vorzunehmen.

    Mein Ansatz und Überlegung war; (warum ich auf die Technik der Radhausentlüftung kam):

    Aufbauend auf meinen Internet-Recherchen welche Maßnahmen an der VA hilfreich sind, um meine Frontmaske im 993 Design zu belassen, kam ich im ersten Schritt auf eine Radlaufentlüftung mit Downforce-Elementen vom GT3 RS.

    Wie Sie auch schon geschlidert haben, nutzt das System den umlaufenden Drehsinn der VA-Räder, die einströmende Luft aus der Kühlerbelüftung, sowie der Bremsenbelüftung und schiebt die Luft in ein Kanalsystem dem Radhaus hinein.

    Beginnend von einer in etwa/ ca. 30° Schräge in Richtung A-Säule. Einen Teil der Luft wird zum oberen Bereich des Kotflügel geleitet und dort über Lamellen ausgestoßen. Um einen aerodynamischen Fluß als Zuwach (gemäß Venturi) zu haben

    und keine zu starke turbolente Strömung, beginnt der Luftausstoß bereits bei der angesprochenen 30° Ebene. Der Strömungsaustritt auf den Pontonflächen der Kotflügel fließt durch Lamellengestaltung in Gegenfahrtrichtung aus & zusammen

    mit der laminaren Fahrtwindströmung entsteht ein Saugeffekt (Venturi Effekt) im Radhaus, wodurch dies Downforce erzeugt. Die Idee fand ich aus technischer Sicht sehr klasse, jedoch möchte ich nicht die GT3 RS/ GT2 RS -Variante vorsehen,

    da diese breitere Kotflügel mit einer breiteren Spur bedingen, was einem groben Eingriff in die jetzige Fahrdynamik mit zuvielen Variable und Kosten erzeugen wird. Ich bin mit der aktuellen Fahrdynamik aus "Retro-Umbauphase I" sehr zufrieden!

    Meine Meinung ist auch, dass ich so ein grober Eingriff in Verbindung mit dem festen Heckflügel nicht benötigen wird. Klar ist dies nur eine Gefühlssache im jetzigen Moment, ohne die Fahrerprobung durchgeführt zu haben.

    Warum ich die Anfrage nach der Befestigungart der "Side-Flaps" gestellt habe ist einfach. Ich werde Stand heute einen Frontspoiler (Flipper) von Techart verwenden, der eine seitliche Schwingkontur (GTS) hat, um mehr Downforce zu generieren

    und würde gerne ein einfaches Radhausentlüftungssystem an der VA damit verbinden. Das Techart-Bauteil ist in Verbindung mit verschiedenen Heckflügelkombinationen im Windkanal konzipiert und designerisch meßtechnisch ermittelt worden.

    Wenn der Feinschliff in den Fahrversuchen erfolgt, benötige ich die Variabilität, falls erforderlich, eine athok Zusatzmaßnahme dann anzubauen, oder zu entfernen. Dazu die Flaps! Wegen Fußgängerschutz, ist der TÜV ein Fan von Porsche-Teilen.



    So jetzt habe ich sehr viel geschrieben, ich hoffe jedoch das war der Sache dienlich und hat Sie nicht abgeschreck!



    Es würde mich sehr freuen, wenn Sie meine Anfrage weiter aufgreifen und mir auch von Ihrer Seite etwas zur von Ihnen verwendeten Radhausentlüftung erläutern. Im Betracht des von "Auto Motor Sport" dargestellten Vergleich der GT3/ GT3 RS

    VA-Radhausbedingungen, sieht man, dass die Hauptströmungseinflüsse auf der Kopfseite des Rades entsteht und nur ein geringerer Anteil auf der schrägen Seite bei einer dortigen Entlüftung entstehen. Ich gehe davon aus, dass Sie durch Ihre Erfahrung im

    Motorsport eine grobe Abschätzung/ ein Gefühl für diesen Unterschied haben werden. Auch, was das seitliche Ausströmen aus der Karosserie mit den aerodynamischen Fahrtwindeffekten bedeuten würde/ wird. In der Rennversion des MK1, der bei Ihnen

    wohl (wenn ich mich nicht täuche) abgebildet ist, liegt ja eine umlaufende Radlaufverbreiterung vor, die bei meinem Fahrzeug und Umbauvorhaben so nicht in Betracht kommt. Da im Straßenbetrieb ja keine Rennstrecken-Situation vorherrscht und somit ein

    größeres Einfedern & Ausfedern vorliegen wird, hilft dies natürlich den Druck im Radhaus selbst abzubauen. Die Frage ist, wieviel für meinen Zweck benötigt wird (ohne, dass ich nachher am Heck etwas tun müsste) und ob es Sinn machen würde, das

    Luft-Kanalsystem (was in meiner Ausgangsmail ist) höher anzusetzen (z. B. bei 35° - 40°), sowie dort weiterhin die Luft seitlich ausfließen zu lassen, um einen größeren Saugeffekt an der Kopfseite des Rades zu erhalten. Dies ist vielleicht zu einfach gedacht!


    Positiv denkend, wird es mich freuen von Ihnen zu hören, wie Sie das Einschätzen und ob Sie mir ein Angebot der Radhausentlüftung mit den erforderlichen Teilen, sowie eine Aussage zu den Lieferzeiten der Bauteile zukommen lassen wollen.


    Ich werde Donnerstag nachmittags (ab mittags kein Mailzugang mehr) meine Anreise zum Prototypen-Review des Umbaus vornehmen und dann am Freitagmorgen bei der Firma vor Ort die Entscheidung treffen, was an der VA alles gemacht werden soll.


    Danke im Voraus!


    Mit freundlichen Grüßen,

    Uwe Mxxxx